Von Patrick Herrl

Lengefeld – Der Sommer beginnt verheißungsvoll. Es könnte eine gute Freibadsaison werden. In Lengefeld ist sie womöglich aber schon nach wenigen Tagen beendet. Das Schwimmbad muss nach nur einem Wochenende wieder geschlossen werden – wegen Wassermangel. Die Stadt sucht nach einer Zwischenlösung. Doch die Zeit drängt.

Wie Pockau-Lengefelds Bürgermeister Ingolf Wappler (CDU) am Dienstagabend zur Stadtratssitzung mitteilt, erfolgt die Schließung aus Sicherheitsgründen. Der notwendige Mindestwasserpegel im Becken wird unterschritten. Rein optisch macht das Freibad zwar einen guten Eindruck. Doch es ist stark sanierungsbedürftig. Das Becken ist undicht. Aufgrund des natürlichen Zulaufs, mit dem sich das Schwimmbad speist, konnte der Wasserverlust in den Vorjahren kompensiert werden. Jedoch ist der Zufluss aktuell nahezu versiegt, liegt fast bei null. Wegen der großen Trockenheit und des abgesunkenen Grundwasserspiegels fließt nur noch eine geringe Menge Wasser in das Becken – und die geht täglich weiter zurück, erklärt Wappler. Auch der vor etwa sieben Jahren zusätzlich gebaute Brunnen liefert nicht mehr ausreichend Wasser. Die Dürre macht die Tragweite der Mängel am Freibad sichtbar, sagt der Bürgermeister.

Dass das 1929 eröffnete Freibad dringend erneuert werden muss, ist seit Jahren bekannt. Und: Die Stadt wollte das Millionenprojekt auch in Angriff nehmen. Nachdem vor fünf Jahren bereits das Kinderschwimmbecken inklusive Filteranlage für einen sechsstelligen Betrag komplett saniert worden war, entschied der Stadtrat im Herbst 2020 einstimmig, die benötigten Eigenmittel für das 2,48 Millionen Euro teure Vorhaben in den Haushalt einzustellen. Die Stadt hoffte zugleich auf eine 75-prozentige Förderung, ohne die die Verschönerungskur des einzig verbliebenen Schwimmbads im Stadtgebiet nicht stemmbar wäre. Doch im Sommer vergangenen Jahres folgte die kalte Dusche. Die Erneuerung der beliebten Freizeiteinrichtung musste auf Eis gelegt werden. Aus dem einzig passenden Förderprogramm wären statt der erhofften 1,86 Millionen nur 500.000 Euro geflossen, was die Sanierung für die Stadt unmöglich machte. Nun also folgt die nächste Hiobsbotschaft.

Erst am Samstag konnte das Freibad seine Pforten öffnen – verbunden mit viel Aufwand. Das Becken wurde im Vorfeld zusätzlich mit Trinkwasser befüllt, um die rechtlich geforderte Mindesthöhe zu erreichen. Das in die Jahre gekommene und dadurch längst nicht mehr normgerechte Becken darf im Schwimmerbereich einen gewissen Füllstand bis zur Oberkante nicht unterschreiten, da es dort keine Handgriffe gibt, erläutert Bauamtsleiter Frank Lämmel. Sinkt der Wasserspiegel unter diesen Wert, könnten sich Besucher nicht mehr mit Sicherheit am Beckenrand festhalten, ergänzt Wappler. Doch genau der Fall trat ein. Da der Zufluss von Quell- und Brunnenwasser nicht mehr ausreicht, um den Wasserverlust des undichten Beckens auszugleichen, sank der Pegel rapide, weshalb das Schwimmbad bereits am Dienstag wieder geschlossen bleiben musste.

Zwar betont Ortsvorsteherin Elke Schmieder, dass Stadtrat und Bürgermeister geschlossen hinter dem Erhalt des Freibads stehen. Doch sie kritisiert, dass der Verwaltung das langsame Versiegen der Quelle schon länger bekannt war. „Einen zweiten Tiefbrunnen anzulegen, steht schon seit geraumer Zeit im Raum“, betont die CDU-Rätin. Doch dafür ist es nun zu spät, um die Saison noch zu retten. Stattdessen will Wappler versuchen, mit niedrigerem Wasserstand einen Badbetrieb rechtlich zu ermöglichen, indem Handläufe im Becken angebracht werden. Ob die provisorische Lösung umsetzbar ist und das Problem damit noch rechtzeitig in dieser Freibadsaison beseitigt werden kann, ist allerdings fraglich, sagt der Bürgermeister.

Klar sei hingegen, dass die Zukunft des Schwimmbads auf lange Sicht nur mit einer umfassenden Sanierung gesichert werden kann. Doch eine solche Millioneninvestition ist aktuell nicht finanzierbar – auch mit Blick auf die schiefe Haushaltslage der Stadt.