Unsere Zacharias-Hildebrandt-Orgel wird 300 Jahre alt

Dieses Geburtstagsjubiläum wollen wir gemeinsam feiern und auf 300 Jahre zurückschauen.

Unser Jubiläumsjahr beginnt am Pfingstsonntag mit einem Festgottesdienst und einem Konzert mit dem weltberühmten Organisten Ton Koopman.

Weitere Höhepunkte werden sein:
– am 18. Juli ein Orgelkonzert mit dem Organisten der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Berlin Levan Zautashvili und Emilio Botto, Zink
– am 26. September eine Jugend-Orgelnacht u. a. mit Orgel und Schlagzeug
– am 31. Oktober als Abschlusskonzert zum Reformationsfest die Aufführung der Bachkantate BWV 80 „Ein feste Burg ist unser Gott“ und der „Krönungsmesse“ von Mozart.

Es laden ein die Ev.-Luth. Kirchgemeinde und der Förderverein Zacharias-Hildebrandt-Orgel Lengefeld
Feiern Sie mit!

Zur Geschichte:

In den Lengefelder Kirchenbüchern finden sich Aufzeichnungen, die belegen, dass es bereits ab 1620/21 eine Orgel in der Kirche gab. Dieses alte Instrument tat seinen Dienst bis 1724. Weil die Gemeinde anwächst, muss die Kirche umgebaut werden. Es hat der Herr OberAufseher von Roemer sich entschloßen, in der Kirchen eine oder andere Änderung zu treffen. Zuförderst will Er . . . .die zwey Empor-Kirchen [Emporen] an der Canzel-Seite wegreißen, hernach wo iezo die Orgel stehet , und oben darüber zwey andere Empor-Kirchen bauen. Die Orgel soll auff die CanzelSeite in die Höhe kommen.[1] Im Sommer 1724 nimmt Zacharias Hildebrandt den Auftrag an, während des Umbaus die Orgel zu versetzen und zu reparieren. Aus der anfänglich geplanten Reparatur wird ein Neubau — unter Weiterverwendung wertvoller Teile aus der Vorgängerorgel. Weihnachten 1726 ist die neue Orgel vollendet. „Die Gemeinde besaß nun ein festliches Werk! Trotzdem erhoben sich Stimmen dagegen. Eine Gegenrechnung vom Kirchbau 1730 besagt: Dabey befinden sich Dinge, die da hätten entweder können gar wegbleiben oder menagierlicher tractiret [mäßiger ausgeführt] werden. Das erste hiervon ist die sehr kostbare Orgel, wozu dienen dieselbe? Man hatte anfänglich auf 225 Thlr. [Thaler] gehandelt die alte Orgel zu reparieren und noch mit einigen Registern zu versehen.
Warum war dieses nicht genug gewesen? Man wollte aber hierinnen dem benachbarten Forchheim nichts nachgeben . . . inzwischen kostet die Orgel besage der Baurechnung  . . . 389 Thlr. Woneben von diesen abgezogen, so bleiben als eine unnötige Depense
[Ausgabe] übrig 164 Thlr. Wozu war eine so kostbare Mahlerey an Orgel und Empor Kirchen nöthig?“[2]
„Die Farbfassung des Orgelgehäuses durch Kunstmaler Fritzsche aus Dresden ist wertvoll und – Gott sei Dank – bis heute erhalten geblieben.“[3] Die Farbfassung an den Emporen hingegen verschwand beim Abriss der Kirche 1885. 1886 nun, nachdem, der Freiberger Orgelbauer Guido Hermann Schäf die Orgel in der neu gebaute Kirche wieder aufgestellt hatte, wurde dann auch die kostbare Farbfassung am Gehäuse in Angleichung der Farbgestaltung der neu erbauten Kirche mit einer Holzimitationsfassung übermalt. Erst 1961, als diese braune Fassung zu dem mit hellen Farben versehenen Kirchenraum nicht mehr passen will und deshalb abgenommen wird, zeigt sich zur Überraschung aller die originale Fassung von Fritzsche. Dass sie bei der wenig professionellen Freilegung keinen zu großen Schaden nahm, ist der Qualität ihrer Farben zu verdanken, die der Kunstmaler verwendet hatte.
Im Jahr 1917, der Weltkrieg ist für das Deutsche Reich längst verloren, müssen die Prospektpfeifen aus Zinn abgeliefert werden. Die der Silbermannorgeln bleiben jedoch unangetastet. Im Februar 1917 bittet der Lengefelder Kirchenvorstand Prof. Berling vom königlichen Kunstgewerbemuseum Dresden um Unterstützung: Unsere Orgel, das Werk eines Schülers von Silbermann, nunmehr ziemlich 200 Jahre alt, hat einen kunsthistorisch wertvollen Prospekt, den wir gern erhalten haben möchten. Eines freundlichen Bescheides gewärtig verharrt in vorzüglicher Hochachtung der Kirchenvorstand, Rd. [Rudolph, Pfarrer][4] Die Königliche Amtshauptmannschaft antwortet am 30. Mai 1917: Nachdem ein Kunstwert von Prof. Dr. Berling nicht anerkannt worden ist, kann eine Befreiung der Orgelpfeifen von der Enteignung bis zur Ersatzbeschaffung nicht erfolgen.[5] Zu Trinitatis, am 3. Juni 1917, veranstaltet die Kirchgemeinde zur Verabschiedung der Pfeifen ein Kirchenkonzert.
1932 ist in den „Mitteilungen des Sächsischen Landesvereins Sächsischer Heimatschutz“ zu lesen: Bald wird ihre strahlende glanzvolle Stimme verstummen müssen. Das stolze Instrument ist vollständig dem Wurmfraß zum Opfer gefallen. . . . Die für die Tonbildung der Orgelpfeife empfindlichen Teile werden immer mehr durch das herabrieselnde Holzmehl verstopft. . . . Schon sind die Pläne aufgestellt, die ein neues ‚ Werk erstehen lassen wollen. Ein Kunstwerk eigener Art ist dem Untergange geweiht.[6] Am 3. Sonntag nach Epiphanias, dem 22. Januar 1933,  nimmt die Gemeinde in einem Dankgottesdienst Abschied von der Orgel. Bald danach wird sie abgetragen. Die Firma Hermann Eule Bautzen baut eine neue pneumatische Orgel unter Verwendung der alten Metallpfeifen, glücklicherweise im originalen Gehäuse.
Mit der Unterstützung durch den 5. Orgeltag der Gottfried-Silbermanngesellschaft 2004 in Lengefeld, der anschließenden Gründung des Fördervereins zur Rekonstruktion der Hildebrandt-Orgel in Lengefeld e.V. und viel Hartnäckigkeit konnten die fehlenden Teile der Orgel rekonstruiert und noch vorhandene restauriert werden. Zum Pfingstfest 2014 beging die Gemeinde in einem Festgottesdienst die Wiederweihe der Orgel von Zacharias Hildebrandt.

[1] Ulrich Dähnert, Der Orgel- und Instrumentenmacher Zacharias Hildebrandt. S. 42
[2] Mitteilungen des Landesvereins Sächs. Heimatschutz, Bd. 21, 1932, S.
[3] Johannes Schönfelder in Festschrift „Die Zacharias-Hildebrandt-Orgel zu Lengefeld, S. 24
[4] Festschrift „Die Zacharias-Hildebrandt-Orgel zu Lengefeld, Faksimile S. 35
[5] Festschrift „Die Zacharias-Hildebrandt-Orgel zu Lengefeld, Faksimile S. 36
[6] Mitteilungen des Landesvereins Sächs. Heimatschutz, Bd. 21, 1932, S. 137/138

Kategorie: Kultur/Tourismus
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